IMHO: Das Smartphone-Wettrüsten geht weiter

Früher lautete eine Binsenweisheit, dass man die Uhr nach dem Zug stellen kann. Im 21. Jahrhundert ist das natürlich nicht mehr so. Nun wird der Takt vom Smartphone-Wettrüsten vorgegeben. Im Jahresturnus werfen die Hersteller neue Versionen ihrer alldieweil schon obszön teuren mobilen Begleiter auf den Markt. Wirklich neue Features kommen dabei nicht mehr herum. Dafür protzen die Datenblätter mit immer mehr Abstinenz von Innovation.

Als Kerle noch echte Kerle ohne Smartphone-Wettrüsten waren

Pünktlich, wie jeden Freitag um 19:00 Uhr, öffnet sich die Wirtshaustür und Dieter tritt hinein. Seine Freunde hatten ihn bereits erwartet. Der Kellner braucht keine Instruktionen, denn bereits das erscheinen der Person erklärte den weiteren Ablauf. Wortlos wurde das Pils über den Tresen geschoben und das Gejammer über die täglichen Leiden nahm seinen Lauf. Heutzutage ist das alles filigraner geworden. Waren vor der Jahrtausendwende allenfalls einige Geschäftsleute mit einem portablem Mobilfunktelefon ausgestattet, so besitzt heute jeder ein Hochglanz-Smartphone, welches bereits beim abziehen der Schutzfolie einen ersten Kratzer im Lack hat. Keine Treffen mehr in der Kneipe, aber stundenlanges Getratsche in die mobile Sprechmuschel.

Giga-, Mega-, Octacore-, 120 Hz Onlinefurunkel

Was waren die Zeiten noch spannend, als Farbdisplays eingeführt wurden. An Speicherplatz dachte keiner. Wofür auch, waren die 100 Plätze für Nummern doch mehr als ausreichend. Mit dem Aufkommen der Apps begann sich jedoch eine Spirale zu drehen, die mehr an Schwung gewann, als zu verlieren. CPU-Leistung lässt sich durch nichts ersetzen, außer durch noch mehr CPU-Leistung. So lässt es jeder spöttische 13-Jährige die Oma wissen. Natürlich nicht, ohne dabei hämisch über den Ferrari-roten Bremssattel zu grinsen, der einen Carbon-Teller umfasst und damit den väterlichen Stolz darstellt. Wohl auch deswegen, weil die aktuellen Smartphone-Gehäuselegierungen preislich bereits die Sphären von Platin verlassen haben und damit auch die NASA staunen lassen.

Neue Zahlen braucht das Land

Und Cesar weinte, denn es gab kein Land mehr zu erobern. So könnte man zumindest meinen, denn es zeichnete sich ab, dass einfach genug von allem vorhanden war. Spiele liefen flüssig in 3D und mittels kleiner Kärtchen sowie Cloud war auch der letzte Datenmessi zufrieden zu stellen. Die Aufregung der fünften Mobilfunkgeneration (5G) verflog auch schnell. Das dürfte 2020 schon zum guten Ton gehören. Umsatzeinbrüche zeichnen sich damit schon bedrohlich am Horizont ab. Wie gut, dass sich Hersteller, wie Samsung, in solch prekären Lagen selber zur Seite springen können. Dieses Mal soll es wieder die Hauptkamera sein, die beim Sammelkarten-Vergleich die Käufer animiert.

108 Megapixel mit Samsung ISOCELL Bright HMX

Pentakamera, Ultraweitwinkel oder Teleobjektiv hat die Masse schon gesehen. Nun wird nochmals massiv an der Auflösungsschraube gedreht. Nicht weniger als 108.000.000 Bildpunkte werden nun auf einen 1/1,3 Zoll-Sensor gequetscht. Xiaomi hat mit dem Mi Note 10 schon einmal vorgelegt und gezeigt, dass dies auch praktisch irgendwie funktioniert. Wer sich noch mit 48 MP begnügt, der darf sich langsam von der einen oder anderen Aktie trennen, um aufzurüsten. Empfehlenswert zum abstoßen wären zum Beispiel die Wertpapiere der Firma Hasselblad. Die Mittelformatkamera H6D-100C mit lediglich 100 Megapixeln dürfte für 34.680 Euro demnächst ein Ladenhüter werden.

Quelle: TheGeise

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